Nicht offener Realisierungswettbewerb

2. Preis, Neubau am Schützenplatz in Jerxheim

NEUBAU AM SCHÜTZENPLATZ IN JERXHEIM
Ein neues Zentrum für Sport, Kultur und Dorfleben.

Der Entwurf entwickelt den Schützenplatz zu einem neuen identitätsstiftenden Mittelpunkt Jerxheims. An der Schnittstelle zwischen gewachsener Dorfstruktur und Sportlandschaft entsteht ein Gebäude, das beide Bereiche selbstverständlich miteinander verbindet und den öffentlichen Raum neu ordnet. Statt eines isolierten Solitärs entsteht ein gemeinschaftliches Haus, das Sport, Kultur und Dorfleben unter einem Dach vereint.

Durch seine Positionierung entlang des Schützenplatzes definiert der Neubau eine klare Raumkante und stärkt die räumliche Fassung des Platzes. Bestehende Elemente wie die historische Mauer sowie Teile des Bestands werden bewusst in die Gesamtgestaltung integriert und bewahren die Erinnerung an den Ort. So entwickelt sich der Neubau aus dem vorhandenen Kontext heraus und setzt zugleich einen zeitgemäßen Impuls für die zukünftige Entwicklung Jerxheims.

Der neu gestaltete Sportboulevard bildet das räumliche Rückgrat des Entwurfs. Er verbindet Schützenplatz, Gebäude und Sportanlagen zu einer zusammenhängenden Freiraumstruktur und schafft eine klare Orientierung für Besucherinnen und Besucher. Als räumliche Fortsetzung führt eine großzügige Sitztreppe direkt auf die Sportflächen. Zwischen den beiden Spielfeldern entsteht eine Terrasse als gemeinsamer Treffpunkt für Sportler, Vereinsmitglieder und Besucher mit Blick auf beide Sportplätze. Gleichzeitig bleiben die Sportanlagen auch über den Schützenplatz erreichbar, wodurch das gesamte Areal selbstverständlich miteinander verknüpft wird.
KENNDATEN
Wettbewerbsart | nicht offener Planungswettbewerb
Auslober | Gemeinde Jerxheim
Platzierung | 2. Preis
BGF | ca. 940 m²
Tagung des Preisgerichts | 2026
Team | S. Fischer, J. Schumann, A. Zhdanova, M. Caferoglu, K. D‘Amico
Die Architektur entwickelt sich aus der Idee eines offenen Hauses für die Dorfgemeinschaft. Klare Baukörper, präzise Raumkanten und eine reduzierte Formensprache verleihen dem Gebäude eine zeitlose Identität und fügen sich gleichzeitig selbstverständlich in den dörflichen Maßstab ein. Der Neubau versteht sich nicht als dominierender Solitär, sondern als öffentlicher Ort, der seine Umgebung stärkt und neue Begegnungsräume schafft.

Die Fassadengestaltung greift die ortstypische Bautradition Jerxheims auf und interpretiert sie zeitgemäß. Gliederung, Maßstäblichkeit und Materialität des bestehenden Schützenhauses werden neu interpretiert und in eine ruhige, moderne Architektursprache übersetzt. Die Wiederverwendung der beim Rückbau gewonnenen Klinkersteine bewahrt die materielle Erinnerung an den Ort und verankert den Neubau sichtbar im lokalen Kontext.

Großzügige Dachüberstände prägen die architektonische Erscheinung und erweitern den Innenraum in den Außenraum. Entlang des Sportboulevards und am Schützenplatz entstehen geschützte Aufenthaltsbereiche, die unterschiedliche Nutzungen und Begegnungen unabhängig von der Witterung ermöglichen und gleichzeitig ein charakteristisches Motiv regionaler Baukultur aufnehmen.

Im Inneren schaffen großzügige Verglasungen vielfältige Blickbeziehungen zwischen den gemeinschaftlichen Räumen, dem Schützenplatz und den Sportanlagen. Natürliche Materialien, warme Oberflächen und eine sichtbare Konstruktion erzeugen eine einladende Atmosphäre und verleihen dem Gebäude einen identitätsstiftenden Charakter.

Nutzung
Das Gebäude vereint die unterschiedlichen Anforderungen von Sport, Kultur und Dorfgemeinschaft in einer klar strukturierten und flexibel nutzbaren Organisation. Herzstück des Entwurfs ist ein Mehrzwecksaal, der sich je nach Veranstaltungsformat mit Dorftreff und Speisesaal zusammenschalten lässt. Dadurch entstehen unterschiedlich große Raumkonfigurationen – vom täglichen Vereinsbetrieb bis hin zu größeren kulturellen Veranstaltungen und Dorffesten.

Eine zentral angeordnete Küche bildet den funktionalen Mittelpunkt des Hauses und verbindet sämtliche Nutzungsbereiche auf kurzen Wegen. Die unmittelbare Anbindung an Terrasse und Freiraum ermöglicht es, Veranstaltungen selbstverständlich nach außen zu erweitern und Innen- und Außenräume miteinander zu verknüpfen.

Die Sportbereiche sind unabhängig von den öffentlichen Nutzungen organisiert und über einen separaten Eingang direkt an die Sportanlagen angebunden. Kurze Wege zwischen Umkleiden, Duschen und Spielfeldern gewährleisten einen reibungslosen Ablauf des Sportbetriebs, während Veranstaltungen im Dorftreff oder Mehrzwecksaal parallel und unabhängig stattfinden können.

Konstruktion und Wirtschaftlichkeit
Der Entwurf basiert auf einer eingeschossigen Gebäudestruktur, die konstruktive Einfachheit mit hoher Nutzerfreundlichkeit verbindet. Durch den Verzicht auf zusätzliche Erschließungselemente wie Aufzüge oder notwendige Treppenräume werden Bau- und Betriebskosten reduziert, während die ebenerdige Organisation eine selbstverständliche Barrierefreiheit gewährleistet.

Eine kompakte Gebäudestruktur, kurze Wege und flexibel nutzbare Räume schaffen die Grundlage für eine wirtschaftliche Umsetzung und einen langfristig anpassungsfähigen Betrieb. Die Raumstruktur ermöglicht zukünftige Veränderungen der Nutzung, ohne in das Tragwerk eingreifen zu müssen. Robuste Materialien sowie die Wiederverwendung der vorhandenen Klinkersteine leisten darüber hinaus einen ressourcenschonenden Beitrag und verbinden Nachhaltigkeit mit einer starken Verankerung im örtlichen Kontext.

Auszug aus dem Protokoll:
„Der Entwurf überzeugt mit seiner selbstbewussten Setzung sowohl mit einem gelungenen Abschluss des Festplatzes, als auch mit einem geeigneten Abschluss des Dorfrands. In der Annäherung an das Gebäude überzeugt die offene transparente Gestaltung der einladenden filigranen Holzkonstruktion für die Gemeinschaftsnutzung. Die auffallend sachliche Kubatur macht die Sondernutzung im Kontrast zu den umgebenden Einfamilienhäusern ablesbar. (...) Der Grundriss ist im Erdgeschoss so geschickt organisiert, dass die Funktionsbereiche sinnvoll getrennt voneinander nutzbar sind. (...) Das Gebäude strahlt insgesamt eine große Leichtigkeit und gleichzeitig Robustheit aus, die dem vorgesehenen Zweck angemessen ist. Geschickt werden Anleihen bei Typologien von Nutzgebäuden wie Silo oder Scheune aber auch Fachwerk mit einer modernen Interpretation angewandt. (...) Diese moderne Gesamtanmutung wird im Zusammenhang mit der sonstigen Entwicklung der Jerxheimer Neubauprojekte positiv wahrgenommen.“

Weitere Wettbewerbe

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